Lokale Partnerschaften für Demokratie
Altenburger Land

Verblasste Spuren

ProjektnummerLAP – 008/2012
TitelJüdische Zeitreise Verblasste Spuren – Gedenken an die ehemaligen jüdischen Einwohner Altenburgs in der Zeit von 1933 bis 1945
TrägerKommunalpolitischer Ring Altenburger Land e.V.
Projektzeitraum13.09.2012 bis 15.12.2012
Inhalt

1. Recherche

Die Recherche zum Projekt läuft seit etwa Mitte 2011 und ist nach wie vor in Bearbeitung. Aufgrund des nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden amtlichen Datenmaterials ist eine intensive Quellenarbeit sowie eine regelmäßige Abstimmung mit Ingolf Strassmann notwendig gewesen.

Aus dem vorhandenen Datenbestand wurde ein Arbeitszeitraum von 1933 bis 1945 (Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft) herausgelöst, die Daten nach amtlichen Quellen verifiziert und über verschiedene nicht-amtliche Quellenabfragen ergänzt.

2. Datenaufbereitung

Aus den im Rahmen der Recherche gewonnenen Erkenntnisse werden für die Zielgruppe wesentliche Informationen extrahiert, die im Anschluss gut nachvollziehbar und optisch ansprechend präsentiert werden sollen.

Neben den zu den einzelnen Personen aufbereiteten Daten (Name, Vorname, Geburts- und Sterbejahr, letzte bekannte Wohnanschrift in Altenburg, Aussagen zum Schicksal) wird der Versuch unternommen, der Zielgruppe auch die „Schicksalsgruppen“ näher zu bringen. So gab es nicht wenige Altenburger Juden, die dem Holocaust durch Emigration entkamen – gleichwohl haben auch sie einen Verlust zu erleiden, sei es die Heimat, Familienangehörige oder Freunde. Es soll also verdeutlich werden, wer seine Heimat oder seine Gesundheit/sein Leben verloren hat, wessen Schicksal unbekannt ist und wer nach Ende der nationalsozialistischen Terrorherrschaft noch in Altenburg lebte. Es wird hierbei der Versuch unternommen, nach sorgfältiger Recherche einen zahlenmäßigen Überblick über diese „Gruppen“ zu geben.

3. Stolperstein-Putzen

An insgesamt neun Stellen im Stadtgebiet sind bislang 28 „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig zu finden. Bereits im Zuge des Pogromnacht-Gedenkens 2011 sind zwei Altenburger dem Aufruf des Leipziger Friedenszentrums gefolgt und hatten verschiedene Stolpersteine im Stadtgebiet gereinigt. An den Stolpersteinen in der Innenstadt, an denen Schüler des Friedrichgymnasiums Vorträge hielten, wurden Kerzen entzündet und weiße Rosen niedergelegt.

In diesem Jahr sollen erneut die Stolpersteine im Stadtgebiet gereinigt werden und so auch den Opfern Ehre erwiesen werden. Die Stolperstein-Reinigung soll von Schülern des Friedrichgymnasiums im Rahmen des Geschichtsunterrichts erfolgen.

4. Datenpräsentation

Die Pogromnacht-Veranstaltungen sowie die verschiedenen Schulprojekte zum Thema haben sich bislang entweder abstrakt mit dem Leid jüdischer Altenburger befasst oder zumindest nicht umfassend Aufschluss über die Daten der unter der Naziherrschaft leidenden Altenburger Juden gegeben. Wesentliches Ziel des beantragten Projekts ist es, dieses umfassende Bild im Rahmen der Möglichkeiten zu eröffnen.

„Ein Mensch ist erst dann endgültig tot, wenn niemand mehr an ihn denkt“, lautet ein bekannter Spruch. Die Projektpartner wollen mit der Umsetzung des Projektes erreichen, dass die Namen und je nach Möglichkeit wesentliche Daten zu den Holocaust-Opfern öffentlich präsentiert werden können, um sie aus der Anonymität zu holen, um sie wieder in die Gemeinschaft der Einwohner Altenburgs einzufügen. Schließlich waren bzw. sind alle erfassten Personen Nachbarn, Freunde oder Geschäftspartner gewesen.

Lange wurde über die richtige Form der Präsentation nachgedacht. Eine an einem Gebäude oder einem anderen Bauwerk angebrachte Tafel böte sicherlich nicht den geeigneten Rahmen für die Präsentation. So entstand später die Idee, in Anlehnung an die im Zuge der Pogromnacht in Altenburg vollzogene Entweihung der Thora-Rollen aus dem jüdischen Betsaal in der Pauritzer Straße die Idee, die Namen auf einen witterungsbeständigen Untergrund in Form einer Thora-Rolle zu bringen, welche mobil einsetzbar ist. Letztlich haben sich die Projektinitiatoren entschlossen, zur Vermeidung der möglichen Verletzung religiöser Gefühle auf die „Nachahmung“ einer Thora-Rolle zu verzichten und als Präsentationsfläche lediglich ein aufrollbares Banner o.ä. fertigen zu lassen.

Die Präsentationsfläche ist mobil einsetzbar, leicht zu handhaben und sinnvoll zu lagern. Damit ist auch eine nachhaltige Nutzung der Präsentationsfläche, so z.B. im Rahmen von Schulprojekten o.ä. möglich.

5. Illumination

Wie schon im vergangenen Jahr soll den ehemaligen jüdischen Familien durch das Entzünden einer Kerze die Ehre erwiesen werden. So ist geplant, für jeden auf der Liste vorhandenen Namen eine Kerze (Teelicht in einem Glasbehälter mit transparenter Papierhülle) zu entzünden. Diese Illumination um die Präsentationsfläche soll den (vorläufigen) Abschluss des Projekts und ein würdiges Gedenken an die Altenburger Juden bilden.

Presse

Projekt angelaufen

„Anne Frank war nicht allein“

Im Rahmen eines aus Mitteln des Lokalen Aktionsplans (LAP) Altenburger Land finanzierten Projekts ist in dieser Woche eine schulische Auseinandersetzung mit dem Schicksal jüdischer Kinder im Zeitraum 1933 bis 1945 gestartet. 19 Schüler des Friedrichgymnasiums (Klassenstufe 8) und der Gemeinschaftsschule Erich Mäder (Klassenstufe 7) wollen – größtenteils außerhalb des regulären Unterrichts – unter dem Motto „Anne Frank war nicht allein“ den Lebens- und Leidensweg der jüdischen Altersgenossen Altenburgs während der Nazi-Diktatur ergründen.

Die schulische Auseinandersetzung mit dem Thema ist Teil des Projekts „Verblasste Spuren – Gedenken an die ehemaligen jüdischen Einwohner Altenburgs in der Zeit von 1933 bis 1945“, welches der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land e.V. (KORA) gemeinsam mit dem Friedrichgymnasium, der Gemeinschaftsschule Erich Mäder sowie Brita Müller-Weiske initiiert hat. Letztere begleitet die Schüler durch die drei geplanten Projekttage, die unter anderem auch das Reinigen der in der Stadt verlegten Stolpersteine umfassen – eine Aktion, die mittlerweile deutschlandweite Tradition hat.

Der Projektleiter Christian Repkewitz, Vorsitzender von KORA, begründet den inhaltlichen Ansatz für das ehrgeizige Projekt: „Ein Mensch ist erst dann endgültig tot, wenn niemand mehr an ihn denkt – so lautet ein bekannter Spruch. Wir wollen mit der Umsetzung des Projektes erreichen, dass die Namen und Daten der Holocaust-Opfer öffentlich präsentiert werden können, um sie aus der Anonymität zu holen und sie wieder in die Gemeinschaft Altenburgs einzufügen. Schließlich waren bzw. sind alle erfassten Personen Nachbarn, Freunde oder Geschäftspartner gewesen“. So soll es nach dem offiziellen Pogromnacht-Gedenken am 9. November 2012 eine öffentliche Präsentation von aktuell 221 Namen ehemaliger jüdischer Altenburger und ihrer teils nicht-jüdischen Lebenspartner geben.

Der gebürtige Rositzer Ingolf Strassmann, der von 1934 bis 1939 in Altenburg lebte und sich intensiv mit der Geschichte der Altenburger Juden befasst hat und noch befasst, unterstützte das Projekt maßgeblich. Der heutige Münchener tauscht sich seit langer Zeit mit Christian Repkewitz zu neuen Erkenntnissen bezüglich dieses Teils der Stadtgeschichte aus. Immer noch kommen neue Informationen hinzu, die dabei behilflich sind, das bislang wenig belegte stadtgeschichtliche Kapitel zu füllen.

 

Kommunalpolitischer Ring Altenburger Land e.V.

Vorstand

 


KORA begibt sich auf "Verblasste Spuren"

Pogromnacht-Gedenken

Zum Pogromnacht-Gedenken am Freitag der kommenden Woche setzt der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land e.V. (KORA) eigene Akzente. Neben der gemeinsamen Vorbereitung der Gedenkstunde zum Pogromnacht-Gedenken mit der Stadt Altenburg um 15.30 Uhr in der Pauritzer Straße präsentiert der Verein auf dem Altenburger Markt ein Banner mit 221 ermittelten Namen jüdischer Mitbürger, ihrer teils nicht-jüdischen Lebenspartner und Kinder in der Zeit des Nationalsozialismus.

 

Um 17.30 Uhr soll das 60 Zentimeter breite und 6,50 Meter lange Textilband aus witterungsbeständigem Material der Öffentlichkeit gezeigt werden. KORA will damit einen Beitrag zu einem würdigen Gedenken an die ehemaligen jüdischen Bürger und ihre Familien leisten. Die sorgsam recherchierte Datensammlung enthält neben den Namen der betreffenden Personen auch Angaben zu Geburts- und Sterbedaten sowie zu ihrem Schicksal. Nicht in jedem Fall konnten dabei alle Daten ermittelt werden. Die Initiatoren haben sich im Vorfeld entschieden, lediglich Namen in die Datensammlung aufzunehmen, deren Anwesenheit in Altenburg im Arbeitszeitraum (1933 bis 1945) gesichert nachgewiesen werden konnte.

 

Es ist vorgesehen, die Namen der auf dem Banner verewigten Personen zu verlesen und für jeden von ihnen eine Kerze zu entzünden.

 

Das Projekt, welches unter dem Titel „Verblasste Spuren“ steht, wurde im Wesentlichen aus Mitteln des Lokalen Aktionsplans Altenburger Land finanziert. Teil des Projekts war auch eine am 18. Oktober 2012 abgeschlossene schulische Auseinandersetzung mit dem Thema, an dem sich 19 Schüler der Gemeinschaftsschule Erich Mäder und des Friedrichgymnasiums beteiligt hatten.

 

 

Kommunalpolitischer Ring Altenburger Land e.V.
Vorstand

 


Pogromnachtgedenken

Verblasste Spuren ins Licht zurück geholt

 

Zum ersten Mal hat der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land e.V. (KORA) in diesem Jahr gemeinsam mit der Stadt Altenburg das Pogromnachtgedenken in der Pauritzer Straße organisiert und im Anschluss daran mit einem Projekt der besonderen Art eigene Akzente gesetzt.

 

Vor dem Altenburger Rathaus, also dem Gebäude, in das vor 74 Jahren jüdische Männer gedemütigt, geschlagen, bespuckt oder beschmiert getrieben wurden, präsentierte der Verein auf einem Banner 221 ermittelte Namen ehemaliger jüdischer Einwohner und ihrer Familien im Zeitraum 1933 bis 1945.

 

Vereinsvorsitzender Christian Repkewitz, der Leiter des Projekts unter dem Titel „Verblasste Spuren“ war, begründete noch einmal kurz den Ansatz der Aktion: „In jedem Jahr gedenken wir am 9. November DEN Altenburger Juden. Und wir wollten die Frage aufklären, wer DIE Altenburger Juden eigentlich waren bzw. sind“. So hatte KORA eine Datensammlung erstellt, die neben den Namen der jüdischen Einwohner und ihrer Familienangehörigen u. a. auch Angaben zu ihrem Schicksal enthielten. „Manchmal braucht es nüchterne Zahlen, um ein so emotionales Thema greifbar, vielleicht auch begreifbar oder gar unbegreifbar zu machen“, war sich der KORA-Chef sicher. Er wies darauf hin, dass von den 210 im Arbeitszeitraum 1933 bis 1945 in der Stadt Altenburg lebenden Juden mehr als die Hälfte den Holocaust nicht überlebt hatten, 90 fliehen mussten und acht Familien durch die Gräueltaten der Nazis ganz ausgelöscht wurden. Von den 71 Kindern unter 18 Jahren (1933) wurden 30 ermordet, flohen 40 und von einem ist das Schicksal unbekannt.

 

Die 221 Namen wurden von sechs Personen abwechselnd vorgelesen und für jeden von ihnen eine Kerze angezündet. Am Ende brannten 221 Kerzen, die symbolisch für die ehemaligen jüdischen Einwohner Altenburgs und ihre Familienangehörigen standen. Als das künstliche Licht gelöscht wurde, entstand eine ergreifende Atmosphäre, die geholfen hat, die „verblassten Spuren“ wieder ins Licht zu rücken. Der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land hat das Pogromnachtgedenken eng an die Schicksale der 221 auf dem 6,50 Meter langen und 60 Zentimeter breiten Textilband verewigten Personen geknüpft. Für viele der knapp 100 Teilnehmer war damit ein würdiges Gedenken ermöglicht worden.

 

Der Verein, der mit dem Verlauf und den Ergebnissen des Projekts sehr zufrieden ist, dankte den Unterstützern. So z.B. den Verantwortlichen für die Vergabe von Zuwendungen aus dem Lokalen Aktionsplan Altenburger Land, die die Finanzierung des Projekts im Wesentlichen gesichert hatten. Aber auch für die aufopferungsvolle Unterstützung des ehemaligen Altenburgers Ingolf Strassmann, der sich seit Jahren mit der Geschichte der Altenburger Juden befasst, fand der Verein lobende Worte. „Ohne seine Mitwirkung und Hilfe wäre das Projekt in dieser Art gar nicht möglich gewesen“, konstatiert Vorsitzender Christian Repkewitz.

 

Auch den Schülern des Friedrichgymnasiums und der Gemeinschaftsschule Erich Mäder dankte der Verein. Sie hatten sich mit großem Einsatz an dem vorgeschalteten Schulprojekt „Anne Frank war nicht allein“ beteiligt, dessen Erfolg im Wesentlichen der engagierten Anleitung von Brita Müller-Weiske zu verdanken war.

 

Neue inhaltliche Ansätze für Anschlussprojekte werden im Verein bereits gesammelt. Die KORAner sehen in dem Gedenken an die ehemaligen jüdischen Einwohner Altenburgs kein politisches oder gesellschaftliches Ritual, sondern eine gelebte Erinnerungskultur.

 

Kommunalpolitischer Ring Altenburger Land e.V.
Vorstand

 

 

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